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Im Rathaus: Neue Ausstellung zur Muna Lehre

Eine Ausstellung anlässlich der Befreiung von Lehre vor 75 Jahren zeigt ab Donnerstag, 3. September, im Rathaus von Lehre die Gesichter damaliger sowjetischer Kriegsgefangenen. Der Titel der Veranstaltung, die bis zum 9. Oktober zu sehen ist, lautet: „‘Die hungernden Russen sahen erbärmlich aus‘- Sowjetische Kriegsgefangene in der Heeresmunitionsanstalt Lehre 1941 – 1945“. Zusammengestellt wurde die Ausstellung von Uwe Otte und Jens Dürrkopf.

Gezeigt werden die Personalkarten von 18 sowjetischen Kriegsgefangenen, die in der Muna Lehre Zwangsarbeit leisten mussten und diese nicht überlebt haben. Auf den Karten sind die biographischen Daten und jeweils das Foto der Männer zu sehen. „Die Opfer der Zwangsarbeit in Lehre bekommen somit wieder ein Gesicht“, betont Jens Dürrkopf. Lange war nur wenig über sie bekannt. Erst seit 2011, als die Personalkarten von der Botschaft der Russischen Föderation in Berlin zur Verfügung gestellt wurden, änderte sich das. In der Muna mussten bis zu 400 russische Gefangene Zwangsarbeit leisten.

Zu sehen sind in der Ausstellung auch die französischen Kriegsgefangenen in Lehre. Im Jahr 1943 waren 42 Kriegsgefangene aus Frankreich im Ort. Sie bildeten die zweitgrößte Gruppe an Gefangenen und mussten von 1940 bis 1945 auf den Bauernhöfen arbeiten. Am 11. April 1945, der Tag an dem Lehre befreit wurde, gingen einige französische Gefangene den amerikanischen Soldaten mit der Trikolore entgegen, die sie aus Stoffresten für diesen Anlass gefertigt hatten, um sie als Befreier zu begrüßen.

In der Muna Lehre mussten neben den sowjetischen Männern auch etwa 100 ukrainische Frauen Zwangsarbeit leisten. Über sie ist bislang nur wenig bekannt. Sie wurden unter anderem bei der gefährlichen Granatenreinigung eingesetzt. Ein Teil dieser Frauen stammte aus Kiew und Charkow. „Über sie gibt es keine Aufzeichnungen und so ist ihr Schicksal noch immer ein weißer Fleck in der Aufarbeitung der Muna-Geschichte“, betont Otte. Die Muna Lehre wurde am 12. April 1945 von US-Soldaten befreit. Die sowjetischen Kriegsgefangenen befanden sich zu diesem Zeitpunkt nicht mehr dort. Sie waren bereits einige Tage zuvor per Bahn in Richtung Stendal abtransportiert worden - aus Angst vor möglichen Übergriffen.

Die Ausstellung sollte ursprünglich bereits im April aus Anlass der Befreiung von Lehre vor 75 Jahren im Rathaus gezeigt werden. Aufgrund der Corona-Situation musste sie jedoch verschoben werden. Die Ausstellung wurde erstmals vor zwei Jahren präsentiert und kann nun erneut während der Öffnungszeiten des Rathauses besucht werden; je nach aktueller Lage sollten Sie sich vor einem Besuch über die Öffnungsmodalitäten des Rathauses informieren. Terminvereinbarungen sind möglich per Mail an stab@gemeinde-lehre.de oder bei Julian Sprenger unter Tel. 05308-699-22.

 

Bild: (© Gemeinde Lehre) Gemeindebürgermeister Andreas Busch mit den Herren Jens Dürrkopf und Uwe Otte (v. l. n. r.)

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